Haptische Bilder

Galerie

Die Lust darauf Kunst zu schaffen macht noch keinen Künstler. Tatsächlich geht das Schaffen von moderner Kunst weit über die Frage nach der richtigen Farbe und den richtigen Materialien hinaus. Danach erst, beginnt der künstlerische Prozess. Abseits von Figuration und Dokumentation ist schon und gerade der erste Pinselstrich eine Herausforderung.

 

Man denke nur an Jackson Pollock, der Mitte der 1940er-Jahre den Auftrag erhielt, ein modernes, großflächiges Wandgemälde für Peggy Guggenheims Privathaus zu schaffen - und wochenlang in Lethargie in Anbetracht dieser Aufgabe versank.

 

Bei jedem neuen Arbeitsschritt droht immer das Scheitern

 

Ich wollte mich dieser Situation aussetzen und erforschen, was dabei passiert, mental. Oder anders ausgedrückt: Ich wollte wissen, wie eine Idee entsteht und wie man künstlerisch zu ihrer Umsetzung findet. Es ist schwierig, diesen Prozess in Worte zu fassen, aber es ist, soviel steht fest, ein grausamer Akt, der nicht nur ermöglicht, sondern vielmehr das Scheitern formt. Ist der erste Strich besonders schwer, so unterscheidet er sich doch nicht allzu deutlich von allen anderen folgenden. Denn bei jedem Strich der erfolgt, drängt sich die Frage nach dem Aufhören auf. Nicht nur aus süßer Verzweiflung und der Angst vor dem künstlerischen Scheitern, sondern wegen einer anderen, existenziellen Frage: Wann ist das Werk vollendet? Diese simple Frage kann keiner beantworten, aber jeder Künstler - egal, ob abstrakt oder klassisch - weiß, dass zwischen Gelingen und Scheitern ein schmaler Grad verläuft. Ein Strich mehr oder weniger kann das Werk vollenden oder ruinieren. Manche Striche und Farbaktionen kann man zurücknehmen oder wieder entschärfen, aber das allermeiste, was der Künstler macht, ist endgültig. Damit muss er leben lernen.

 

Ist das Bild "fertig", im handwerklichen Sinn, muss es sich weiter bewehren. Jeden Tag, jede Woche und manchmal sogar jeden Monat aufs Neue. Der Prozess, ob ein Werk vollendet ist, kann quälend lange dauern. Und am Ende steht keineswegs immer die Bestätigung. Einige meiner Werke habe ich wieder übermalt und zerstört - einmal überzeugt zu sein, reicht noch lange nicht aus, spätere Zweifel aus der Welt zu halten. Ich habe jedoch alle Werke abfotografiert, so leben sie zumindest als (letztlich unvollendete) Studien weiter und helfen mir bei der Suche nach der richtigen Idee, der richtigen Technik und dem Farbverlauf, wie er sein soll. Dieser Prozess hilft mir, aus einer abstrakten Idee, eines komplexen künstlerischen Prozesses, etwas Konkretes zu schaffen, das es verdient hat, den Namen Kunst zu tragen.