Kaleidoskope

Galerie

Ich habe mich schon immer für Architektur interessiert, vor allem für moderne. Als 18-Jähriger besuchte ich den Architekturcampus des schweizerischen Stuhlherstellers Vitra in Weil am Rhein und sah das erste Mal Bauwerke von Frank O. Gehry und Zaha Hadid. Beide waren damals fast völlig unbekannt, heute gelten sie als Architekturstars.

 

Vor einigen Jahren besuchte ich die baskische Industriestadt Bilbao. Mit dem "Bilbao Guggenheim Museum", diesem spektakulären, skulpturalen Bau, gelang Gehry 1997 der internationale Durchbruch als Architekt - und Bilbao erlebte eine beispielhafte Blüte. Ich umkreiste das Museum einige Male und machte hunderte Aufnahmen. Vom Ergebnis war ich aber enttäuscht. Ich hatte kaum eine Perspektive gefunden, die ich nicht schon auf einer Postkarte oder in einem Buch gesehen hätte.

 

Ich begann nach Möglichkeiten zu suchen, die Probleme dessen zu überwinden, was Walter Benjamin in seinem Aufsatz über die Reproduzierbarkeit von Kunst beschrieben hatte: Kunst (aber auch das Kunstwerk und der Künstler selbst) wird entwertet, wenn sie fotografiert oder kopiert wird. Ich wollte also einen Weg finden, um diesen Verlust der Aura rückgängig zu machen oder zumindest abzuschwächen. Beim Experimentieren mit den Fotos und einzelnen Ausschnitten entstanden die "Kaleidoskope". Ich hatte den Eindruck, dass durch diese Technik, die Gebäude wieder ihre Aura zurück bekamen, sie wurden wieder das, was sie waren - Persönlichkeiten. 

 

Der Besuch in Bilbao war stilprägend für meine Begegnung und fotografische Herangehensweise an Architektur. Mittlerweile besteht die Werkgruppe aus meheren Dutzend Arbeiten und sie wächst stetig weiter. Immer noch fotografiere ich besonders gerne moderne Architektur. Zum einen, weil sie das Auge wach hält und zur Auseinandersetzung mit dem Gebäude und der Umgebung geradezu zwingt. Zum anderen, weil die Oberflächen und dekonstruktivistischen Strukturen perfekt dafür geschaffen sind, durch meine Technik neue Formen zu konstruieren. Wer genau hinsieht, kann Gesichter, Pfeile und Buchstaben in den "Kaleidoskopen" entdecken. Konstruktion durch dekonstruktion nennt das die Kunst. Für mich ist es der Versuch, ein Bauwerk nicht als Betonklotz zu sehen, sondern als lebendigen Körper, der mit seiner Umwelt und seinen Betrachtern kommuniziert.